Die Technik der WTM Autos


Die Tamiya TA01, TA02 oder TA03F, TA03R Chassis bestehen aus einer Kunststoff-Wanne, die die Elektronik aufnimmt und daran angeschraubten Vorder- und Hinterachsteilen. Die Vorderachse wird beim TA02 über eine Kardanwelle angetrieben und beim TA03F über einen reibungsärmeren Zahnriemen angetrieben. Die Kraft wird über ein Differential und Antriebsknochen auf die Räder abgegeben. Die TA02 Kardanwelle endet hinten im Getriebe, das vor den Hinterrädern den 540er Elektromotor beherbergt ==> Mittelmotor (wie beim "richtigen" Rennauto). Das TA03F Chassis hat den 540er Motor vor der Vorderachse, wie ganz normale PKWs. Das soll eine bessere Gewichtsverteilung auf alle Räder bewirken. Beim TA03R sitzt der Motor wie bei den alten TA02 Chassis zwischen vorder und Hinterachse, es hat also wie ein echtes Rennauto einen Mittelmotor. Dadurch ist es allerdings eine "Heckschleuder". Die Autos sind mit richtigen, mit Öl gefüllten, Stoßdämpfern ausgestattet, deren Härte über Klammern einstellbar ist. Dadurch kann man die Autos richtig abstimmen.

Den mechanischen Fahrtenregler, der sich in der Packung befindet sollte man am besten gleich vergessen, zumindest wenn man Rennen fahren will. Zum Testen des Autos reicht er aus. Statt dessen sollte ein elektronischer Fahrtenregler eingebaut werden. Mein Tip ist ein LRP F1 oder das entsprechende Nachfolgemodell. Das ist ein sehr robuster Regler mit tollen Regeleigenschaften und Vorwärts- und Rückwärtsgang. Meiner Meinung nach sollte man lieber auf etwas Leistung verzichten und sich für Tourenwagen einen für beide Richtungen geeigneten Regler kaufen, denn was passiert nach einem der vielen Crashs, wenn man nur noch rückwärts weiterkommt?

Als Reifen verwenden wir statt der originalen Slickreifen lieber Moosgummireifen, da diese länger halten, billiger und auch besser zu fahren sind. Seit einigen Jahren sind statt der früher vorgeschriebenen serienmäßigen Kunststofflager Kugellager in den meisten Autos. Allerdings verbieten sich dann Fahrten bei nasser Straße, denn dafür sind die Kugellager leider sehr viel rostanfälliger (Erfahrung!). Durch die niedrigere Reibung sind schnellere Rundenzeiten möglich geworden. Eine kleine Besonderheit ist der verwendete Graupner SPEED 500 Race Motor, der bei geringen Kosten (ca. 24 DM) weit bessere Ergebnisse bringt, als ein Tamiya Baukastenmotor.

Die verwendeten 6-zelligen Nickel-Cadmium Akkus halten bei Renntempo ungefähr 45 Runden bzw. 15 min, wenn sie sehr gepflegt sind. Wir fahren aber nur 28 Runden damit, denn alle sollen die gleichen Chancen haben, denn je nach Akku-Type läßt die Spannung abrupt nach oder fällt ganz langsam ab. Die Akkus lade ich teils mit einem Konstantstromladegerät nach der Zeitmethode. Teilweise auch mit dem Novak-"Rhino"-Ladegerät meines Bruders, das die Akkus nach der Deltapeak-Methode lädt. Das bedeutet, das das Ladegerät den Strom (in meinem Fall 4A) solange aufrechterhält, wie die Akkuspannung weiter ansteigt. Wenn sie sinkt stoppt das Gerät den Ladevorgang. Meiner Erfahrung nach ist dabei zu beachten, das die Akkus immer gleich behandelt werden. Also entweder immer schnell oder immer langsam geladen werden. Ein Wechsel der Lademethoden zerstört die Akkus recht schnell.
Wichtig ist auch das sie nach der Benutzung definiert entladen werden, denn sonst entwickeln NiCad-Akkus einen starken Memory-Effekt und verlieren so langsam viel von ihrer Kapazität. Meine langsam geladenen Akkus entlade ich mit einem selbstgebauten Akkuentladegerät, das bei einer fest eingestellten Spannung abschaltet. Die schnellgeladenen Akkus werden nach einer Anleitung der Firma KEIL mit einem 33 Ohm Leistungswiderstand 3 Stunden bis 1 Tag lang tiefentladen. Auch hier gilt, das die Akkus immer gleich behandelt werden sollten.
Die besten Erfahrungen haben wir mit Sanyo NSCRC-SP Akkus, sowie deren Nachfolger RS2000 gemacht. Die Sanyo Akkupacks bekommt man in Anzeigen im AMT-Heft fertig konfektioniert ab ca. 45 DM angeboten. Diese 6er Sticks bestehen aber angeblich aus den aussortierten "schlechten" Zellen der vielen Anbieter von "matched", "pushed"... Akkus. Ich konnte keine größeren Unterschiede feststellen.

Die Autos halten je nach Beanspruchung zwischen 2 und 2½  Jahren. Bis dahin gibt es meist eh ein neues Grundmodell. Da man alle Ersatzteile bekommt müssen sie nicht wie die typischen Kaufhaus Modellautos bei einem Defekt sofort in den Müll fliegen. Die Karosserien halten je nach Beanspruchung allerdings nur ca. 1-2 Jahre. Auch danach sollte man sich eine original Tamiya Karosserie kaufen, da die von anderen Herstellern angebotenen Karosserien nicht so stabil sind. Außerdem sollte man darauf achten nur wirklich passende Karossen zu kaufen, denn meine Golf Karosserie passt eigentlich gar nicht auf das Auto. Ich mußte erst eine neue Befestigung basteln, außerdem stimmt der Radstand um 1 cm nicht überein. Diese Befestigung war natürlich nicht so stabil wie die Originalbefestigung und daher ist sie kaputt. Jetzt fahre ich wieder eine passende Karosserie.

Es ist eigentlich fast unglaublich, was diese Modellautos aushalten, ohne kaputt zu gehen. Bei einer maximalen Geschwindigkeit von ca. 45 km/h sind Crashs zwar meist sehr spektakulär, aber an den Autos geht fast nie etwas wirklich kaputt. Lediglich der Bordstein sollte gemieden werden, denn sonst muß die Karosserie und die Technik darunter leiden. Auch Crashs an unseren mit Nägeln in Asphaltlöcher befestigten Pylonen werden meist heil überstanden. Es kann dabei allerdings passieren, das sich Teile lockern, die beim nächsten Crash abfallen und am besten sofort gesucht werden sollten. Im Vergleich zu den recht filigran aufgebauten Tamiya Formel 1 Autos schneiden die Touren-/Rallyeautos in der "Alltagstauglichkeit" weit besser ab.

Durch den Allradantrieb sind die Autos leicht zu beherrschen, da sie entweder neutral oder leicht übersteuernd zu bewegen sind. Wilde Dreher sind nur bei feuchtem Untergrund oder auf Fliesen möglich. Auf glatten Fliesen zu fahren hat auch seinen Reiz, denn über alle 4 Räder driftende Autos zu kontrollieren macht ordentlich Spaß. Dabei sind Spuren an den Wänden und an der Karosse aber nicht zu verhindern.


Die Kosten

Chassis und Karosserie

150 EUR

Fahrtenregler LRP F1

60 EUR

Steuerung Futaba Attack SR

60 EUR

3 Akkupacks

100 EUR

Konstantstrom-Ladegerät

50 EUR

Motor SPEED 500 Race

15 EUR

8 Mignon Akkus (Steuerung)

10 EUR

Kugellagersatz

25 EUR

Moosgummireifen und Felgen

25 EUR

Summe

495 EUR

Für diese ca. 500 EUR wird extrem viel Spaß geboten, wenn man zu mehreren eine eigene Rennserie gründet. Auf keinen Fall sollte man Autos usw. in den normalen Modellbaugeschäften kaufen, denn dort kostet z.B. das Auto alleine schon 200 EUR. Im "AMT" Heft (Auto Modell und Technik), das fast nur an Bahnhofszeitschriftenhandlungen erhältlich ist finden sich Anzeigen, die die günstigen Preise von oben bieten. Das ist leicht gespartes Geld. Die Modellbauläden verdienen noch genug an den Ersatzteilen. Da die Baukästen absolut gleich sind und die Tamiya Baukastenanleitungen leicht verständlich sind, braucht man wirklich keine Angst zu haben, das man es nicht "hinbekommt".


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WTM Mercedes in voller Fahrt.

© 24.11.2003 Andreas Lexe